Digitale Barrierefreiheit für Redakteur:innen – warum Sie jetzt handeln sollten

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Stellen Sie sich vor, Sie möchten schnell einen Impftermin buchen. Ihre Internetverbindung steht, Sie haben ein Smartphone in der Hand – und dennoch scheitert der Vorgang. Weil die Schrift zu klein ist. Weil Sie das Formular nicht bedienen können. Oder weil der Text einfach zu kompliziert formuliert ist.

So geht es vielen Menschen jeden Tag. Und: Die Hürden sind nicht immer offensichtlich. Genau hier beginnt das Thema digitale Barrierefreiheit – und damit auch Ihre Rolle als Redakteurin oder Redakteur.

In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen, was digitale Barrierefreiheit bedeutet, warum sie für Redaktionen besonders relevant ist – und wie Sie Ihre Inhalte ab sofort inklusiver gestalten können.

Was bedeutet digitale Barrierefreiheit eigentlich?

Barrierefreiheit ist kein reines Technikthema. Sie beginnt schon beim Schreiben. Und beim Denken.

Digitale Barrierefreiheit bedeutet: Alle Menschen sollen Webseiten, Apps oder digitale Dokumente problemlos nutzen können – ganz unabhängig von ihren Fähigkeiten.

Das betrifft Menschen mit:

  • Dauerhaften Einschränkungen (z. B. Blindheit, Gehörlosigkeit, motorischen Behinderungen)
  • Temporären Einschränkungen (z. B. gebrochener Arm, Augenentzündung)
  • Situativen Barrieren (z. B. blendende Sonne auf dem Display, laute Umgebung ohne Kopfhörer)

Das Internet ist heute ein zentrales Tor zur Teilhabe. Deshalb ist Barrierefreiheit ein Gebot der Fairness – und bald auch gesetzlich verpflichtend.

Warum Barrierefreiheit für Redakteur:innen so entscheidend ist

Viele Redaktionen denken bei Barrierefreiheit zuerst an Entwickler oder Designer. Aber: Sie als Redakteur:in gestalten Inhalte – und Inhalte sind das Herzstück jeder Website.

Texte, Bilder, Videos, PDFs – all das geht durch Ihre Hände. Und genau hier entscheidet sich, ob Ihre Zielgruppe wirklich erreicht wird – oder ausgeschlossen bleibt.

Und das betrifft eben auch redaktionelle Inhalte – nicht nur den Code.

Besonders wichtig:

Ab dem 28. Juni 2025 tritt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) in Kraft. Es verpflichtet viele Unternehmen dazu, ihre digitalen Angebote barrierefrei zu gestalten.

Die wichtigsten Standards: WCAG, EN 301 549 und das AA-Niveau

Keine Sorge – das klingt komplizierter, als es ist.

Im Kern geht es um die WCAG, die „Web Content Accessibility Guidelines“. Diese Richtlinien helfen dabei, digitale Inhalte so aufzubereiten, dass sie für alle zugänglich sind.

Das sollten Sie wissen:

  • EN 301 549 ist die europäische Norm, auf die sich das BFSG bezieht.
  • Diese wiederum enthält die WCAG 2.1 welche Anforderungen an Websites definiert ergänzt diese um Anforderungen an andere Medien.
  • Die meisten Websites müssen das sogenannte AA-Niveau erreichen – das ist der empfohlene Standard.

Was macht eine Website barrierefrei?

Es gibt vier Prinzipien, an denen sich alle barrierefreien Inhalte orientieren:

  1. Wahrnehmbar – Inhalte müssen für alle Sinne zugänglich sein.
  2. Bedienbar – Navigation und Funktionen müssen mit Tastatur oder Screenreader nutzbar sein.
  3. Verständlich – Sprache, Struktur und Logik müssen klar und nachvollziehbar sein.
  4. Robust – Die Technik muss auf allen Geräten und mit Assistenzsystemen funktionieren.

Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick:

  • Zoomfähigkeit bis 200 % ohne Layoutfehler
  • Ausreichende Farbkontraste (z. B. Text auf Hintergrund)
  • Alternativtexte für Bilder
  • Untertitel oder Transkripte bei Videos
  • Navigierbarkeit per Tastatur

Typische Barrieren – und wie Sie sie vermeiden

  • Bilder ohne Alternativtext

    Problem: Screenreader können das Bild nicht interpretieren.
    Lösung: Schreiben Sie kurze, prägnante Alt-Texte.

  • Schlechte Farbkontraste

    Problem: Texte sind schlecht lesbar, z. B. weiß auf hellgelb.
    Lösung: Prüfen Sie Kontraste mit Tools wie dem WAVE-Checker.

  • Komplizierte Sprache

    Problem: Lange Schachtelsätze und Fachbegriffe erschweren das Verstehen.
    Lösung: Verwenden Sie kurze Sätze, aktive Formulierungen und klare Struktur.

  • Videos ohne Untertitel

    Problem: Menschen mit Hörbehinderung können den Inhalt nicht erfassen.
    Lösung: Nutzen Sie automatische Untertitel (z. B. YouTube) – oder erstellen Sie eigene Transkripte.

  • Nicht bedienbare Formulare

    Problem: Felder sind nicht per Tastatur erreichbar.
    Lösung: Achten Sie auf korrekte HTML-Auszeichnung und Tab-Reihenfolge.

  • Nicht barrierefreie PDFs

    Problem: Inhalte können nicht vorgelesen werden.
    Lösung: Strukturierte Überschriften, echte Texte statt Scans und barrierefreie Formatvorlagen.

Ihre Checkliste für mehr digitale Barrierefreiheit

  • Verwenden Sie klare, gut lesbare Schriftarten
  • Achten Sie auf ausreichenden Kontrast
  • Geben Sie allen Bildern einen Alternativtext
  • Untertiteln Sie Videos oder liefern Sie ein Transkript
  • Machen Sie Formulare per Tastatur bedienbar
  • Strukturieren Sie Texte logisch mit Überschriften
  • Schreiben Sie verständlich – und ggf. in einfacher Sprache
  • Gestalten Sie PDFs mit Barrierefreiheit im Blick

Lohnt sich der Aufwand?

Absolut. Denn barrierefreie Inhalte bringen viele Vorteile – auch über die rechtlichen Anforderungen hinaus:

Mehr Reichweite

Ihre Website wird für mehr Menschen zugänglich – das erweitert Ihre Zielgruppe.

Bessere Google-Rankings

Viele Barrierefreiheitsregeln sind auch gute SEO-Praxis: saubere Struktur, Alt-Texte, klare Inhalte.

Weniger Absprünge, mehr Verweildauer

Wenn Nutzer:innen Inhalte gut erfassen können, bleiben sie länger auf Ihrer Seite.

Klarere Inhalte – auch intern

Barrierefreiheit sorgt für bessere Struktur und sauberere Arbeitsprozesse im Team.

Stärkeres Markenimage

Wer Barrieren abbaut, zeigt Haltung – und das wirkt. Gerade bei jüngeren Zielgruppen oder bei Bewerber:innen.

Wie barrierefrei ist Ihre Website?

Auch hier gilt: Testen lohnt sich!

Diese Tools empfehlen wir:

  • WAVE (https://wave.webaim.org) – erkennt typische Fehler, z. B. fehlende Alt-Texte
  • Accessibility Insights – für technisch versiertere Teams

Und am besten: Testen Sie auch selbst.

  • Können Sie Ihre Seite komplett per Tastatur bedienen?
  • Wird der Inhalt logisch vorgelesen?
  • Funktionieren Zoom und Kontraste?

Fragen und Antworten

Fazit: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt

Barrierefreiheit ist keine lästige Pflicht – sie ist ein Upgrade für Ihre Inhalte. Und eine klare Botschaft: Wir schließen niemanden aus.

Nutzen Sie jetzt die Chance, Ihr Wissen zu vertiefen und Ihre Redaktion barrierefrei aufzustellen.

Tipp: Webinarreihe für Online-Redakteur:innen

Sie möchten tiefer einsteigen und praxisnah lernen, wie Barrierefreiheit im Redaktionsalltag gelingt?

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