Struktur schafft Zugang – wie Sie als Redakteur:innen Inhalte barrierefrei und verständlich aufbereiten

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Wer im Internet Inhalte liest, tut selten eines: jeden Satz von Anfang bis Ende konzentriert durchgehen. Wir scannen, überfliegen, springen – auf der Suche nach Orientierung. Das funktioniert nur, wenn Inhalte gut strukturiert sind.

Aber was für uns mit Sehvermögen und gesunder Konzentration schon schwierig sein kann, ist für Menschen mit Screenreader oder Aufmerksamkeitsproblemen oft eine echte Hürde. Barrierefreiheit beginnt also nicht im Code – sie beginnt beim Schreiben.

In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen, wie Sie Ihre Inhalte strukturiert, verständlich und inklusiv gestalten – und warum Struktur keine Kür ist, sondern ein Muss.

Warum gute Struktur so wichtig ist

Stellen Sie sich vor, Sie schlagen ein Buch ohne Kapitel auf. Ohne Titel, ohne Absätze, ohne Seitenzahlen. Einfach nur Text – von vorne bis hinten. Klingt anstrengend? Genau das erleben Nutzer:innen mit Einschränkungen, wenn Websites nicht strukturiert sind.

Gute Struktur hilft:

  • Menschen mit Screenreader: Sie orientieren sich an Überschriften, Absätzen und Listen – linear, von oben nach unten.
  • Menschen mit Leseschwierigkeiten: Klar gegliederte Inhalte sind leichter verständlich.
  • Allen anderen: Wer am Handy schnell Infos sucht, braucht visuelle Anker – keine Textwüsten.

Kurz gesagt: Struktur ist Barrierefreiheit – für alle.

Was bedeutet Struktur in der Praxis?

Strukturierte Inhalte folgen einer klaren, nachvollziehbaren Ordnung. Das betrifft:

  • Überschriften (und deren Hierarchie)
  • Absätze und Textblöcke
  • Listen
  • Links und deren Formulierungen

Und diese Struktur ist nicht nur optisch wichtig. Sie entscheidet auch darüber, ob ein Screenreader die Inhalte richtig erfassen und vorlesen kann.

Überschriften – der rote Faden Ihrer Seite

Oft denken wir: Überschriften sind einfach nur größer, fetter oder farbiger. Technisch gesehen ist das aber nicht genug.

Ein gutes Überschriftensystem folgt einer logischen Hierarchie, ähnlich wie ein Inhaltsverzeichnis:

  • H1 = Hauptüberschrift (nur einmal pro Seite!)
  • H2 = Hauptabschnitte
  • H3 = Unterpunkte unterhalb einer H2
  • H4 = Nur bei Bedarf – bitte nicht ohne logische Kette

Praxis-Tipp:

Fragen Sie sich bei jeder Seite: „Würde mein Überschriftenaufbau auch als Inhaltsverzeichnis Sinn ergeben?“ Wenn ja – super. Wenn nicht: nachschärfen.

Absätze und Textgliederung – kleine Dinge, große Wirkung

Ein gern übersehener Punkt: Absätze machen Texte erst lesbar. Gerade im Web. Gerade auf Mobilgeräten. Und ganz besonders für Menschen mit Konzentrations- oder Leseschwierigkeiten.

Das hilft:

  • Maximal 3–4 Zeilen pro Absatz
  • Ein Gedanke pro Abschnitt
  • Zwischenüberschriften gezielt einsetzen
  • Keine unnötige Formatierungsflut (bitte nicht fett, kursiv, bunt und unterstrichen gleichzeitig)

Faustregel:Schreiben Sie so, wie Sie auch sprechen würden – klar, verständlich, gegliedert.

Listen: Klar, schnell, barrierefrei

Listen sind mehr als optische Helfer. Sie sind eine echte Barrierefreiheitsmaßnahme, weil sie Informationen gliedern, ordnen und hervorheben – und von Screenreadern automatisch korrekt vorgelesen werden.

Wichtig: Bitte verwenden Sie echte HTML-Listen, keine "selbst gebastelten" mit Spiegelstrichen oder Emojis.

Drei Typen von Listen:

  • Ungeordnet (<ul>) - Die Reihenfolge der Elemente spielt keine Rolle.
  • Geordnet (<ol>) - Die Reihenfolge der Elemente ist wichtig für die Aussage der Inhalte.
  • Definitionsliste (<dl>) - Liste aus Schlüssel-Wertepaaren z.B. bestehend aus einem Begriff und dessen Beschreibung.

Links – klar und konkret statt „Hier klicken“

Links sind essenziell – und gleichzeitig eine häufige Fehlerquelle.

Was passiert bei „Hier klicken“ oder „Mehr erfahren“?

Sehende erkennen den Kontext im Fließtext. Menschen mit Screenreader hören aber nur:

  • „Hier klicken. Link.“
  • „Mehr erfahren. Link.“
  • „Hier klicken. Link.“

Das ist verwirrend – und führt im schlimmsten Fall zu Orientierungslosigkeit.

So geht’s besser:

  • „Mehr erfahren über unser Webinar zur Barrierefreiheit“
  • „Hier geht’s zum Download der Checkliste (PDF, 2 MB)“

Weitere Link-Tipps:

  • E-Mail-Adressen nicht hinter „Jetzt mailen“ verstecken → besser direkt anzeigen
  • Dateigröße und Format bei Downloads angeben
  • Ganze Sätze oder sinnvolle Textabschnitte verlinken

Gestaltung von Links: Sichtbar, kontrastreich, klickbar

Nicht nur der Text, auch das Design von Links ist entscheidend für Barrierefreiheit.

Gute Links:

  • sind unterstrichen
  • haben ausreichenden Farbkontrast
  • sind auch per Tastatur erreichbar
  • sind groß genug, um auch mit unsicherer Hand getroffen zu werden

Wichtig: Entfernen Sie nie den sichtbaren Fokus (Tab-Ring) bei Links – das macht Navigation für viele unmöglich.

Ihre Checkliste für strukturierte, barrierefreie Inhalte

  • Nur eine H1 pro Seite
  • Überschriften logisch gegliedert (H2, H3, H4 …)
  • Kurze Absätze, max. 3–4 Zeilen
  • Listen mit HTML-Elementen
  • Links klar benennen, sinnvoll formulieren
  • Genügend Kontrast, sichtbarer Fokus, ausreichende Klickflächen

Fazit: Struktur ist kein Extra – sie ist Grundausstattung

Strukturierte Inhalte sind kein Luxus. Sie sind die Basis für alles:

  • für gute Lesbarkeit
  • für barrierefreie Nutzererlebnisse
  • für verständliche Kommunikation

Und das Beste: Sie brauchen kein Technikprofi zu sein.

Schon mit ein paar klaren Regeln können Sie viel bewegen – für Menschen mit Einschränkungen, für Ihre Zielgruppe, für Ihre Website.

Fragen und Antworten

Tipp zum Schluss: Jetzt tiefer einsteigen – ganz praxisnah

Sie möchten noch mehr über barrierefreies Schreiben und Strukturierung lernen?

Dann empfehlen wir Ihnen unsere Webinarreihe für Redakteur:innen – kompakt, konkret, verständlich:

Zur Webinarreihe "Digitale Barrierefreiheit für Online-Redakteure