Unsichtbar für viele? So machen Sie als Redakteur:innen Bilder, Videos und PDFs barrierefrei

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Ein Teamfoto ohne Beschreibung. Ein Video ohne Untertitel. Eine Infografik voller Informationen – aber ohne Textalternative.

Was für viele nach Kleinigkeiten klingt, kann für andere zur digitalen Sackgasse werden.

Denn: Medieninhalte schaffen oft unsichtbare Barrieren – und das betrifft nicht nur Menschen mit Behinderungen, sondern uns alle. Sobald wir unterwegs sind, wenig Zeit haben oder nicht hören können, wie es bei lauter Umgebung der Fall ist.

Die gute Nachricht: Als Redakteur:in haben Sie es in der Hand, diese Barrieren abzubauen. Mit klaren Regeln, klarem Text – und ein wenig technischem Verständnis.

Warum Bilder, Videos und PDFs oft Barrieren sind

Medien sind das Salz in der Suppe digitaler Inhalte. Sie informieren, illustrieren, erzeugen Emotionen. Aber sie sind eben nicht automatisch barrierefrei.

Das nennt sich inklusives Design: Inhalte so gestalten, dass sie für möglichst viele Menschen funktionieren – nicht trotz, sondern wegen der Vielfalt an Nutzungssituationen.

Besonders betroffen sind:

  • Menschen mit Sehbehinderung oder Blindheit (→ brauchen Alternativtexte)
  • Menschen mit Hörbeeinträchtigung (→ brauchen Untertitel)
  • Menschen, die auf Screenreader oder Tastatur-Navigation angewiesen sind
  • Und alle, die situativ eingeschränkt sind: blendendes Sonnenlicht, fehlende Kopfhörer, verletzte Hände…

Alternativtexte für Bilder – die unsichtbaren Übersetzer

Ein Alt-Text ersetzt ein Bild – für alle, die es nicht sehen können. Das kann ein blinder Mensch sein, jemand mit sehr kleinem Bildschirm oder eine Nutzerin mit schlechtem Netzempfang.

Der Alt-Text wird im HTML hinterlegt, ist unsichtbar – aber hörbar, sobald ein Screenreader die Seite vorliest.

Wann braucht ein Bild einen Alt-Text?

Immer, wenn es Information transportiert:
Fotos, Infografiken, Schaubilder, Symbole mit Bedeutung

Nicht, wenn es nur Dekoration ist (z. B. Hintergrundbild ohne Aussage).
In diesem Fall: alt="" setzen, damit der Screenreader es überspringt.

So schreiben Sie gute Alt-Texte:

  • Beschreiben Sie die Kernaussage. Was soll verstanden werden?
  • Kurz und klar. 1–2 Sätze reichen.
  • Keine Emojis, keine Anführungszeichen, keine Links.
  • Keine Wiederholung von „Bild von …“. Das weiß der Screenreader bereits.

Gute vs. schlechte Alt-Texte

  • Teamfoto
    Schlecht: alt="Teamfoto"
    Gut: alt="Fünf Teammitglieder vor dem Firmenlogo"
  • Balkendiagramm
    Schlecht: alt="Diagramm"
    Gut: alt="Umsatz stieg von 2020 bis 2024 um 40 %"
  • Symbol-Icon (LinkedIn)
    Schlecht: alt="LinkedIn-Logo"
    Gut: alt="Nina auf LinkedIn folgen"
  • Dekobild mit Wellenlinien
    Schlecht: alt="Wellen"
    Gut: alt="" (leerer Text, da rein dekorativ)

Und was ist mit komplexen Grafiken?

Alt-Text = Kurzfassung,
Ergänzender Text = ausführliche Beschreibung, z. B. als Absatz direkt unter der Grafik.

Beispiel: Alternativer Text einer Infografik über Bevölkerungswachstum

„Grafik zeigt: Weltbevölkerung stieg von 1 Mrd. (Jahr 1000) auf 7,5 Mrd. (2017).“

Videos barrierefrei gestalten – für Augen und Ohren

Viele Videos funktionieren nur dann, wenn man sehen und hören kann. Das schließt eine große Zielgruppe aus – oft ohne, dass wir es merken.

Was brauchen Videos für echte Barrierefreiheit?

Untertitel (Captions)

  • Geben wieder, was gesagt wird – plus wichtige Geräusche.
  • Helfen Gehörlosen, aber auch allen ohne Ton.
  • Ideal für Social Media: 80 % schauen dort ohne Ton.

Audiodeskriptionen

  • Beschreiben visuelle Inhalte in Sprechpausen.
  • Für blinde Menschen oder Menschen mit Sehbehinderung.

Barrierefreier Player

Muss Untertitel anzeigen, Audiodeskriptionen abspielbar machen, per Tastatur bedienbar sein und Kontraste bieten.

Tipps für Untertitel:

  • Text exakt wiedergeben – auch Geräusche wie Applaus
  • Grammatik & Rechtschreibung prüfen
  • Kurze Sätze, gut lesbar
  • Tools wie YouTube Studio, CapCut oder Sonix.ai helfen – aber nie ungeprüft übernehmen!

Audiodeskriptionen – auf den Punkt:

„Eine Frau mit rotem Schal betritt das Zimmer“ – reicht.
Nicht: „Eine hübsche Dame erscheint nervös und schaut sich um.“

Barrierefreiheit braucht Neutralität & Klarheit, keine Meinung.

PDFs & Infografiken barrierefrei gestalten – schön reicht nicht

PDFs sind auf vielen Webseiten Standard – doch oft leider eine der größten Barrieren.

Warum? Weil sie oft:

  • nur aus Bildern bestehen,
  • keine echte Textstruktur haben,
  • keine Alternativtexte enthalten,
  • keine erkennbare Lesereihenfolge bieten.

Was macht ein PDF barrierefrei?

  • Getaggt: Überschriften, Absätze, Listen sind korrekt ausgezeichnet
  • Lesereihenfolge definiert
  • Alt-Texte für Bilder
  • Dokumentsprache hinterlegt
  • Gute Kontraste
  • Links sind erreichbar & bedienbar

Infografiken brauchen Textalternativen

Eine Grafik sagt mehr als 1.000 Worte – aber nur, wenn sie gesehen werden kann.

Darum:

  • Hauptaussagen immer zusätzlich als Text angeben
  • Kontraste prüfen
  • Nicht nur Farben zur Unterscheidung verwenden

Ihre Tool-Box für barrierefreie Medieninhalte

  • PAC 2021 - Prüft Struktur, Tags, Lesereihenfolge. Zum Beispiel: PDF Accessibility Checker (kostenlos)
  • Colour Contrast Analyzer - Testet Kontraste von Text und Hintergrund
  • YouTube Studio / Sonix.ai / CapCut - Untertitel automatisch generieren und bearbeiten
  • Able Player - Vollständig barrierefreier Videoplayer
  • axesWord, axaio MadeToTag - Für barrierefreie Word- oder InDesign-Dokumente

Checkliste: So prüfen Sie Ihre Medien auf Barrierefreiheit

  • Alt-Texte bei allen informativen Bildern
  • Videos mit Untertiteln – ggf. Audiodeskription
  • PDFs mit klarer Struktur, korrekter Lesereihenfolge und Alt-Texten
  • Infografiken mit ergänzender Beschreibung und guten Kontrasten
  • Barrierefreie Player und Prüfung mit Tools + eigenem Menschenverstand

Fazit: Medien barrierefrei gestalten – Schritt für Schritt

Barrierefreiheit ist kein Aufwand ohne Nutzen. Im Gegenteil: Sie macht Ihre Inhalte klarer, verständlicher und besser nutzbar – für alle.

Und sie ist keine Frage von Technik oder Perfektion, sondern von Haltung:

„Ich möchte, dass alle mitlesen, mitverstehen, mitmachen können.“

Fragen und Antworten

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